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Gartengestaltung

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Wilde Pfingstrosen für den Garten

Pfingstrosen sind rot und dick gefüllt? Nicht nur. Unsere Expertin Barbara Keller entführt Sie in die faszinierende Welt der Pfingstrosenarten, die gerade im trockenen Vielfaltsgarten bestens klarkommen. Im August beginnt die Pflanzzeit für diese Gartenschönheiten, lassen Sie sich also inspirieren.

Reiche Artenvielfalt

Pfingstrosenarten zählen zu den Raritäten im Garten. Zu Unrecht, denn sie sind unkompliziert und überraschen mit ihrem natürlichen Charme. Alle Pfingstrosen sind „Slow Plants“; ebenso wie „Slow Food“ erwarten sie Geduld und Zeit, die sie mit dem besonderen Genuss ihrer prachtvollen Blüten und mit Langlebigkeit belohnen. Staudige Pfingstrosenarten, die sich auch im kleinen Garten gut entwickeln können, stehen hier im Mittelpunkt. Sie alle stammen aus trockenen Regionen dieser Erde und kommen nach der Pflanzung mit sehr wenig Wasser aus.

Leuchten aus dem Schatten

Für trockene Halbschattenplätze im Garten, am besten bei lichten Gehölzen, sind folgende Arten empfehlenswert:

Die Wittmanns Pfingstrose (Paeonia wittmanniana) kommt in Georgien, Armenien, dem Iran und in der Türkei vor. Die weiße Blüte erscheint ab April, eine der ersten im Garten. Die großen Blätter wirken exotisch und schmücken den Garten das ganze Jahr über. Sie erreicht eine Höhe von etwa 50-90 cm.

Die Heimat der Kaukasus-Pfingstrose (Paeonia mlokosewitschii) ist Georgien, wo sie nicht nur in der bei uns beliebten gelb blühenden Form zu finden ist, sondern ab Mai auch in allen Übergängen von Gelb bis Rosa. Mit etwa 60-70 cm Höhe passt sie gut ins Staudenbeet.

Ebenso schattenverträglich und etwa 60-90 cm hoch ist die Byzantinische Pfingstrose (Paeonia peregrina), die in einem kräftigen Rot über glänzend dunkelgrünem Laub ab Mai blüht. In der Natur findet man sie im Mittelmeerraum, ebenso wie die Gemeine Pfingstrose (Paeonia officinalis).

Volksmedizin

Die Großblättrige Pfingstrose (Paeonia mascula) sieht Paeonia officinalis zum Verwechseln ähnlich. Ihre Heimat ist ebenfalls der Mittelmeerraum, und wie Paeonia officinalis wurde sie seit der Antike in der Volksmedizin verwendet. Ihr Name mascula deutet darauf hin, dass sie für typische Leiden bei Männern verwendet wurde. Officinalis bedeutet, dass diese Art medizinische Verwendung fand. Früher allerdings wurde sie Paeonia foemina genannt, was auf ihre Verwendung bei Frauenleiden hinweist. Sowohl Paeonia mascula als auch Paeonia officinalis vertragen Halbschatten und volle Sonne, blühen ab Mai pinkfarben. Die Großblättrige Pfingstrose erreicht eine Höhe von etwa 60-90 cm, die Gemeine Pfingstrose nur etwa 60 cm.

Sonnenanbeterinnen

Die Balearen-Pfingstrose (Paeonia cambessedesii) stammt von den Balearen, Korsika und Sardinien, sie liebt es heiß und trocken. Gerne in der vollen Sonne möchte sie dennoch im Winter vor kalten Winden geschützt sein. Wenn man ihr zudem einen guten Wasserabzug bieten kann, dann ist sie winterhart und sehr ausdauernd. Die Balearen Pfingstrose blüht im Mai und ist eine der kleinen Arten: Mit etwa 20-50 cm Höhe passt sie gut in den Steingarten oder zwischen andere Wärme und Trockenheit liebende Kleinstauden.

Die Netzblatt-Pfingstrose (Paeonia tenuifolia) ist in Südost-Europa, der Türkei, Russland, der Ukraine und dem Kaukasus verbreitet. Als Steppenbewohnerin liebt sie Sonne und Trockenheit. Sie kommt in durchlässigen Gartenböden gut zurecht und erfreut bereits im April mit strahlend roten Blüten. Mit einer Höhe von etwa 50 cm und ihren fein geschlitzten Blättern bleibt sie eine zarte Gestalt, die oft im Sommer bereits einzieht.

Wurzelnackt ins Pflanzloch

Der richtige Pflanzplatz zeichnet sich durch einen kalkhaltigen Boden mit gutem Wasserabzug aus. Lehm und Löß-Lehm sind optimal. Im Schatten von Gebäuden gedeihen die Pflanzen weniger gut, da es dort meist zu kalt ist.

Das Pflanzloch soll so vorbereitet sein, dass die Wurzeln darin gut ausgebreitet werden können und die oberste Knospe des Wurzelstocks nach der Pflanzung etwa einen Zentimeter unter der Erdoberfläche liegt. Zu tief gepflanzte Pfingstrosen blühen nicht. Vor der Pflanzung Erde mit Dünger, wie zum Beispiel Hornspäne einfüllen und kräftig angießen. Die Jungpflanze sollte nicht mehr als fünf kräftige Knospen tragen, wenn sie zu groß ist, blüht sie nicht. Sehr kleine Pflanzen brauchen oft Jahre bis zur ersten Blüte.

Alles zu seiner Zeit

In Töpfen kann man in der Regel kleine Pflanzen kaufen. Wurzelnackte Ware hat dagegen meist kräftiger entwickelte Rhizome und wird im Spätsommer bis Herbst angeboten. Das passt gut, denn von Ende August bis Anfang November ist die optimale Pflanzzeit für Pfingstrosen. Getopfte Pflanzen gibt es nur im Frühjahr. Wenn sie zu diesem Zeitpunkt ins Beet kommen, müssen Pfingstrosen den ganzen Sommer über gegossen werden, da sie sich erst im Herbst einwurzeln.

Pfingstrosenpflege: Weniger ist mehr!

Was die Pflege angeht, stellen Pfingstrosen keine großen Ansprüche und wenn man ihre Grundbedürfnisse beachtet, dann schmücken sie den Garten viele Jahrzehnte mit wundervollen Blüten und gesundem, kräftigem Blattwerk.

Jungpflanzen sollten in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Pflanzung während längerer Trockenperioden gegossen werden. Eingewachsene Pfingstrosen vertragen Trockenheit und benötigen in der Regel keine zusätzlichen Wassergaben.

Wichtig ist es, den Austrieb der Pflanzen immer frei von Konkurrenz zu halten. So können die neuen Triebe schnell abtrocknen, was Pilzkrankheiten vorbeugt. Außerdem ermöglicht das ein ungehindertes Entfalten der neuen Triebe.

Im Herbst abschneiden

Nach der Blüte kann man die Samenstände abschneiden, aber gerade bei Paeonia mascula sind diese sehr dekorativ und schmücken die Pflanzen bis in den Herbst. Dann sollte man die ganzen Triebe bis kurz über dem Boden abschneiden und wegräumen. Die vertrockneten Pflanzen bieten Pilzkrankheiten Lebensraum, die im nächsten Jahr den frischen Austrieb befallen könnten. Kranke Pflanzenteile schneidet man immer schnell ab, um die Verbreitung der Erreger zu unterbinden. Ansonsten sind Pfingstrosen robust und werden von Schädlingen praktisch verschont. Ameisen, die die Blütenknospen aufsuchen, interessieren sich lediglich für deren klebrige Absonderungen und schaden nicht. Mäßige Düngergaben wie Hornspäne im frühen Herbst fördern das Wurzelwachstum, im Frühling unterstützen sie eine reiche Blüte.

Gute Gesellschaft

Pflanzen fühlen sich wohl in der richtigen Gesellschaft. Wichtig ist, dass das Zentrum der Pfingstrosen immer frei bleibt und nicht überwuchert wird. Am besten also keine ausläufertreibenden Nachbarn pflanzen. Auch sonst lebt die Pfingstrose nach dem Motto „Könner halten Abstand!“. In der Natur findet man Pfingstrosen in den Bergen, am Hang, der luftige Stand hält die Pflanzen gesund. Entsprechend wählt man die Lebensgemeinschaft im Garten. Bewährt haben sich frühe Zwiebelpflanzen, wie Krokus, Schneeglöckchen, botanische Tulpen und Alpenveilchen, mit deren Blüten die roten Austriebe der Pfingstrosen um die Wette leuchten. Da die Pfingstrosen in der Regel nicht gegossen werden müssen, bietet es sich an, Begleitstauden zu wählen, die ebenso mit Trockenheit zurechtkommen. Siebenbürger Leberblümchen (Hepatica transsylvanica), Nesselkönig (Lamium orvala), Kaukasusvergissmeinnicht (Brunnera macrophylla) und Immenblatt (Melittis melissophyllum) wirken natürlich im Halbschatten. In der Sonne harmonieren Bart-Iris (Iris barbata) sowie Herbstblüher wie Fetthenne (Sedum Hybride), und Berg-Aster (Aster amellus). Barbara Keller

Übringesn: Ein Portrait der Gärtnerin Barbara Keller gibt es hier.

Paeonia peregrina, Byzantinische Pfingstrose Foto: Barbara Keller
Austrieb von Paeonia tenuifolia, Netzblatt-Pfingstrose Foto: Barbara Keller
Paeonia tenuifolia, Netzblatt-Pfingstrose Foto: Barbara Keller
Paeonia wittmanniana, Wittmanns-Pfingstrose Foto: Barbara Keller