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VielfaltsMacher

Ich dachte, ich muss es einfach retten

Barbara Keller aus dem unterfränkischen Mainstockheim ist ausgebildete Gärtnerin und arbeitet im Botanischen Garten in Würzburg. Doch Gärtnern ist für sie kein Job, sondern ein untrennbarer Teil ihres Lebens. Für mehr Vielfalt im Garten und auf dem Feld setzt sie sich schon seit Jahren ein. In ihrem 500 m2 großen privaten Nutzgarten baut sie nicht nur viele alte und lokale Gemüse- und Getreidesorten an, sie vermehrt sie auch und sorgt für deren Verbreitung.

So viel Saatgut wie möglich gewinnen

Irgendwann hat es den Kindern gereicht. „Wir wollen auch mal wieder Tomaten mit Samenkörnern essen“, haben sie verlangt. Das war bei Barbara Keller aber einige Jahre nicht drin. Jede Tomate hat sie ausgequetscht, um die Samen zu sammeln. Denn sie wollte so viel Saatgut wie möglich gewinnen und verbreiten und damit die alten Sorten erhalten. Aber nicht nur die Tomaten sollten wieder in reicheren Varianten in die Gärten kommen. Die ganzen alten Gemüsesorten, die einst von Dorf zu Dorf und von Familie zu Familie weitergegeben wurden, wollte sie aufspüren und dafür sorgen, dass sie wieder in die Nutzgärten kämen. „Vielfalt“ war ihr Credo. Das war 2008. Heute, 2020, sind alte Gemüsesorten bei Saatguthändlern im Programm, werden unzählige Sorten von Gemüsen, Tomaten oder Kartoffeln auf Festivals gehandelt und getauscht, wachsen in vielen Gärten lokal bewährte Sorten, und das Interesse für die Vielfalt ist so groß wie nie. Einen nicht eben geringen Anteil daran hat Barbara Keller.

Mit Bohnen begonnen

Begonnen hat alles damit, dass in ihrer Region gentechnisch veränderter Mais angebaut werden sollte. Da wurde ihr klar, dass damit die gesamte Sortenvielfalt auf dem Spiel stehen würde. Doch sie wollte nicht nur dagegen sein, sondern aktiv etwas dafür tun, die Vielfalt zu erhalten. Deshalb hat sie 2008 ein „Bohnenfest“ veranstaltet und eine große Palette an Bohnensorten gezeigt. „Das hat die Menschen begeistert. Die tolle Resonanz darauf hat mich bestätigt, damit weiterzumachen“, erzählt Barbara Keller. Die Gärtnerin begann daraufhin, selbst Saatgut zu vermehren. „Ich dachte, ich muss es einfach retten“, sagt sie schlicht. „Denn die lokalen und alten Sorten garantieren Ernährungssicherheit, Ernährungssouveränität und nicht zuletzt Geschmack und Lebensfreude“, das ist ihre Botschaft. Und dafür hat sie einiges auf die Beine gestellt.

Erstes Saatgutfestival Deutschlands

2011 hat sie das erste Saatgutfestival in Deutschland organisiert – und damit einen Nerv getroffen. „Da kamen die Menschen aus allen Bundesländern und haben sich für das Saatgut interessiert“, erzählt sie. Heute ist das Thema ist bei vielen angekommen, besonders bei den Hobbygärtnern. Barbara Keller ist dankbar, dass gerade die Gartenbauvereine von Anfang an sehr daran interessiert waren. Und sie freut sich, dass landauf, landab Saatgutfestivals stattfinden und es damit viel leichter geworden ist, sich in der Umgebung mit lokalen oder alten Sorten zu versorgen. Doch Sorgen macht ihr die neue Gentechnik: „Das ist keine konventionelle Züchtung, sondern ein gezielter Eingriff ins Erbgut. Die Sorten können sich jederzeit kreuzen und damit sind sie verloren“, befürchtet sie.

Alte Sorten aufgespürt

Deshalb versucht sie, viel zu kommunizieren. „Vielfalt braucht viele“, sagt Barbara Keller und arbeitet immer weiter daran, möglichst viele Akteure zu vernetzen. In ihren jüngsten Projekten möchte sie alte, lokale Getreidesorten wieder etablieren. Aus „Grell’s Unterfränkischem Landweizen“, den sie aufgespürt und vermehrt hat, backt ein Bäcker aus ihrer Umgebung jetzt wieder Brot, das reißenden Absatz findet. Als nächstes möchte sie die verschiedenen alten Krautsorten, die es in einem bekannten Anbauort bei Würzburg in den Höfen gab, wieder beleben. Aber die Schwierigkeit ist, Anbauer und Verarbeiter zusammenzubringen, damit es für alle ein lohnendes Geschäft wird.

Menü der Vielfalt

Doch Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen und das nutzt Barbara Keller dafür, die Liebe zur Vielfalt zu fördern. Einmal jährlich veranstaltet sie zusammen mit einem Restaurant ein „Vielfaltsessen“. Dafür versorgt sie den Koch mit einer Vielfalt an Gemüse- und Getreidesorten, und der zaubert daraus ein tolles Menü. „Vielleicht gelingt es ja damit, noch mehr Menschen von den alten Sorten zu überzeugen und Anbauer dafür zu gewinnen“, hofft sie. Die begeisterten Stammgäste, die immer zahlreicher werden, sind auf jeden Fall schon einmal gute Botschafter. Und die Tomaten, die gibt es bei Kellers auch wieder mit Samenkörnchen. Da ist die Sortenvielfalt schon auf einem guten Verbreitungsweg.

Kontakt:

Ihr großes Wissen und ihren reichen Erfahrungsschatz gibt Babara Keller in Vorträgen und Veranstaltungen weiter. Mehr Informationen zu ihr und ihren Projekten unter: www.openhouse-site.de

Barbara Keller
„Vielfalt braucht viele“