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Gemüsegarten

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Tomaten anbauen ohne zu gießen

Tomaten genießen statt gießen

Tomaten anbauen ohne Gießen? In Zeiten des Klimawandels werden wassersparende Strategien im Gemüsegarten immer wichtiger. Die Gärtnerin Barbara Keller berichtet über eine Methode, Tomaten fast ganz ohne Gießaufwand im Garten anzubauen.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird die Frage nach wassersparendem Gemüseanbau immer dringlicher. Tomatenpflanzen werden von vielen Hobbygärtnern oft mit reichlich Wasser versorgt. Trockene Sommer und steigende Temperaturen erhöhen die Gießwassermenge zusätzlich. Das macht nicht nur Arbeit, sondern steigert auch den Wasserverbrauch für den Gemüsegarten. Es gibt jedoch eine Methode, Tomaten im Freiland zu kultivieren, die es ermöglicht, fast ganz auf Gießwasser zu verzichten und trotzdem leckere Tomaten zu ernten. Dafür sind samenfeste Tomaten empfehlenswert, denn sie verfügen über eine große genetische Bandbreite und können sich besser anpassen als Hybridsorten. Sie wurden nicht auf Hochertrag unter Gewächshausbedingungen gezüchtet, wie das bei Hybriden in der Regel der Fall ist, sondern entstammen der Tradition des Freilandanbaus. Samenfeste Tomaten können etwa 1,6 Meter tief wurzeln und somit auch Wasser aus tiefen Bodenschichten aufnehmen. Jeder kann von samenfesten Gemüsen selbst sortenreines Saatgut gewinnen. So lässt sich über Generationen durch Auslese der robustesten Pflanzen, die Fähigkeit fördern, tiefreichende Wurzeln zu bilden.

Aussaat

Für Hobbygärtner ohne beheiztes Gewächshaus ist der optimale Aussaattermin Ende März. Früher gesäte Tomaten neigen dazu, lange und dünne Stängel zu produzieren, bevor man sie auspflanzen kann, da sie anfangs zu wenig Licht bekommen. Optimale Aussaattemperaturen liegen zwischen 24 bis 28 C°. Die Samen keimen etwa nach einer Woche. Nach der Keimung ist es empfehlenswert, die Pflanzen kühler zu stellen bei 15-17 C°, sonst wachsen sie zu sehr in die Höhe. Sie brauchen viel Licht, deshalb wählt man einen möglichst hellen Standort. Tomaten in Töpfen sollten immer mild feucht gehalten werden, allerdings vertragen sie keine Staunässe.

Pikieren

Sobald die Pflanzen nach den Keimblättern die ersten Laubblätter entwickelt haben – das dauert etwa 2 Wochen – können sie pikiert werden. Dabei ist es wichtig, die Wurzeln einzukürzen, sodass sie ganz gerade nach unten in die Erde kommen. Wenn man die Pflänzchen bis zu den Keimblättern in die Erde topft, sind sie nicht so hoch und können auch am Stiel schon Wurzeln bilden. Wenn die Pflanzen herangewachsen sind, kann man bei milden Temperaturen beginnen, sie draußen abzuhärten. Zunächst kommen sie an einem warmen Tag für kurze Zeit ins Freie in den Schatten. In der Sonne würden die Blätter verbrennen. Nach mehreren solchen Ausflügen, die ausgedehnt werden können, vertragen sie auch die direkte Sonneneinstrahlung. Dann ist es Zeit für Sonnenbäder. Durch diese Abhärtung entwickeln sich kompakte Pflanzen mit kräftigen Stielen.

Pflanzung

Nach den letzten Nachtfrösten, in der Regel Mitte bis Ende Mai können die Tomatenpflanzen ganz nach draußen umziehen. Die bisher beschriebene Vorgehensweise ist üblich, aber jetzt, beim Pflanzen, legen wir die Grundlage dafür, dass wir später nicht mehr gießen müssen:

Wir heben ein Loch aus, das circa zwanzig Zentimeter tiefer als die Tomate lang ist. In dieses kommt zunächst etwas Kompost oder klein geschnittene Brennnesseln oder eine Mischung aus Gartenerde mit Dünger, wie Hornspäne. Anschließend gießen wir zehn bis zwanzig Liter Wasser ins Pflanzloch.

Die Tomatenpflanze entblättern wir bis auf die zwei obersten Blattpaare und setzen sie so tief ins Loch, dass diese beiden oberen Blattpaare deutlich über der Beetoberfläche bleiben. Anschließend füllen wir das Loch bis zur Hälfte mit Erde und gießen nochmals mit zehn bis fünfzehn Litern Wasser an. Zum Schluss füllen wir das Loch vollständig mit Erde auf. Das Wasser sinkt immer tiefer und die Wurzeln der Tomatenpflanze wachsen hinterher. So wird schon die Jungpflanze dazu angeregt, tiefe Wurzeln zu bilden.

Hier gibt es auch ein Video, das zeigt, wie das mit dem Pflanzen ganz genau funktioniert.

Kaum mehr gießen

In normalem, tiefgründigem Gartenboden muss die Tomate wahrscheinlich die ganze Saison über nicht mehr gegossen werden. Bei sehr leichten Böden, oder wenn der Boden es nicht zulässt, dass die Tomate tief wurzelt, kann es sein, dass sie bei starker Trockenheit Gießunterstützung braucht. Doch erst wenn die Blätter schon morgens hängen, ist es nötig zu gießen Mit möglichst seltenen, kräftigen Wassergaben gelingt es auch in diesen Fällen, eine tiefe Bewurzelung zu fördern. Häufige, geringe Wassergaben ergeben eine nur oberflächliche Wurzelbildung und damit erhöht sich der Wasserbedarf der Pflanzen. Alle weiteren Pflegemaßnahmen unterscheiden sich nicht von der üblichen Vorgehensweise bei Tomaten.

Die Mischung macht’s

Es gibt nur wenige Gemüsearten, die sich als Mischkultur für Tomaten anbieten, wenn das Beet nicht gegossen wird. Denn das Gemüse sollte ebenso ohne Gießen auskommen und niedrig bleiben, damit die Tomatenpflanzen nach einem Regen schnell wieder abtrocknen können. So beugt man Pilzkrankheiten vor.

Unter diesen Gesichtspunkten haben sich Eiskraut (Mesembryanthemum cristalinum) und Neuseeländerspinat (Tetragonia tetragonoides) bewährt.

Mit größerem Abstand sind auch Kamille (Matricaria chamomilla) und Weißkraut (Brassica oleracea convar. capitata var. alba) empfehlenswerte Partner. Man kann das Beet ausschließlich mit Tomaten bepflanzen und dick mulchen, das reguliert den Feuchtigkeitshaushalt des Bodens und verlangsamt die Verdunstung.

Empfehlenswerte samenfeste und robuste Sorten fürs Freiland:

Angora Super Sweet: rote, sehr süße Cocktailtomate. Die ganze Pflanze ist behaart und wirkt graulaubig, was ihr eine edle Note gibt. Sie wirkt auch als Kübelpflanze schön. Die Früchte sind von einem leichten Flaum überzogen, der sich leicht abwischen lässt.

Fredi: Cocktailtomate, orange, birnenförmige Früchte

Clarita: frühe Salattomate mit eher kleinen roten Früchten

Primabella: frühe, rote Cocktailtomate

Rote Murmel: Wildtomate mit kleinen roten Früchten, muss nicht ausgegeizt werden, ideal um als Fächer gezogen zu werden.

Zahnradtomate: Fleischtomate mit gerippten roten Früchten, die sich gut zum Füllen eignen. Fleischtomaten sind empfindlicher und wärmebedürftiger als Sorten mit kleineren Früchten.

Samenfeste Sorten:

  • Entstehen durch Auslese oder durch Kreuzung samenfester Sorten und anschließender Auslese.
  • Gehören zu den ältesten Gemeinschaftsprojekten der Menschheit.
  • Im Laufe der Jahrtausende ist so durch Züchtung eine unüberschaubare Vielfalt an Sorten entstanden.
  • Von diesen Sorten sind 75% weltweit bereits wieder ausgestorben.
  • Machen unabhängig vom Saatgutangebot der globalen Konzerne:
  • Jeder kann sein Saatgut selbst gewinnen!
  • Verfügen über eine breite genetische Basis. Samenfestes Saatgut kann sich aufgrund seiner genetischen Vielfalt an Böden, Umwelt und Anbauweise anpassen. In Bezug auf den Klimawandel ist das von großem Vorteil.
  • Schmecken nicht nur lecker, sondern bieten auch eine gute Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen und darüber hinaus eine große Menge gesundheitsfördernder sogenannter „sekundärer Pflanzenstoffe“, unter ihnen auch solche mit krebsvorbeugender Wirkung.
  • Sind gefährdet durch Monopole, Gesetzgebung, Patente und industrielle Landwirtschaft, deshalb brauchen sie Menschen, die sie anbauen, vermehren und verbreiten.

Zur Person:

Barbara Keller aus dem unterfränkischen Mainstockheim ist ausgebildete Gärtnerin und arbeitet im Botanischen Garten in Würzburg. Die Vielfalt von Gemüse- und Getreidesorten zu erhalten ist ihr großes Thema, das sie auch in ihrem privaten Garten fördert. Dort baut sie alte und seltene Sorten an, gewinnt Saatgut daraus und sorgt mit Veranstaltungen, Vorträgen und Vernetzungsplattformen dafür, die Sortenvielfalt in den Gärten zu verbreiten. Weitere Informationen unter: www.openhouse-site.de

alle Fotos: Barbara Keller

Barbara Keller, Foto: Keller