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Natur und Landschaft

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Streuobstwiese am Kirchberg Gesees – verschollen geglaubte Schätze der Sortenvielfalt

Im oberfränkischen Gesees im Landkreis Bayreuth lohnt es sich, auf den Kirchberg zu steigen. Dort hat man nicht nur einen schönen Blick in die Umgebung, sondern auch einen Einblick in die Vielfalt einer Streuobstwiese. Auf drei Hektar Fläche stehen über 300 Obstbäume, „darunter sind sogar Obstsorten, die bereits als verschollen galten“, wie Georg Nützel vom Obst- und Gartenbauverein Gesees berichtet. Er hat sich die Streuobstwiese am Kirchberg seit 2012 zur Herzenssache gemacht und den Anstoß dazu gegeben, die teilweise stark verwilderte Fläche behutsam und in Abstimmung mit den Naturschutzbehörden wieder frei zu legen. Daraus entstand die Gemeinschaftsaktion des Vereins. Und die führte dazu, dass die Obstwiesen nun Teil eines Biodiversitätsprojekts der Regierung von Oberfranken sind.

Seltene Sorte sichern

Der über einhundert Jahre alte Baumbestand war einst zur Hangbefestigung angelegt worden. Aus Aufzeichnungen von 1922 kennt man einige der Sorten, die seinerzeit gepflanzt wurden. Im Rahmen des Biodiversitätsprojektes fand der Pomologe Wolfgang Subal dort Schätze wie die „Kleine Pfalzgräfin“, die in Deutschland verschwunden war. Auch gibt es dort Raritäten wie „Bamberger Blauapfel“, „Lütticher Ananaskavill“, „Gelbgraue Rosenbirne“, „Rote Dechantbirne“ oder den „Pojnik-Apfel“. Damit die wertvollen historischen Sorten erhalten bleiben, wurden im Ökologisch Botanischen Garten Bayreuth Reiser veredelt und Jungpflanzen herangezogen.

Wo Artenvielfalt zu Hause ist

Um die Pflege der Streuobstwiese kümmert sich der Obst- und Gartenbauverein Gesees. „Wir machen bei den vergreisten, überwachsenen Bäumen nur Entlastungsschnitte, um sie zu stabilisieren“, berichtet Georg Nützel. Das Mähen erledigen Schafe und Ziegen des Schäfers, der die Fläche gepachtet hat. Totholz bleibt auf der Fläche liegen, morsche Bäume bleiben als Spechtbäume stehen. Das macht den hohen ökologischen Wert der Wiese aus: Haselmaus, Zauneidechse und vier Spechtarten haben hier ihr Zuhause. Auch nutzen 13 Fledermausarten die Specht- und Fäulnishöhlen als Quartiere. Und besonders groß war die Freude bei Experten, als der „Grauviolette Wachsporling“, eine unscheinbare Pilzart, erstmals in Bayern auf einem Totholzast der Geseeser Streuobstwiese gefunden wurde.

Information für alle

Wer in die Vielfalt der Streuobstwiese an der Kirchenburg St. Marien zum Gesees eintauchen möchte, kann sich dort auf den Weg durch den Lehrpfad machen. Ein Flyer und acht Tafeln informieren über die Besonderheiten, die Geschichte, über die Sortenvielfalt und über die Pflege und Nutzung dieses besonderen Schmuckstückes. Und wer das Glück hat, den Saft zu probieren, den der Obst- und Gartenbauverein aus den Äpfeln keltert, der weiß, wie wunderbar Vielfalt schmecken kann.

 

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Foto: OGV Gesees
Foto: OGV Gesees
Infotafel Lehrpfad Foto: OGV Gesees
Infotafel Totholz Foto: OGV Gesees
Infotafel Äpfel Foto: OGV Gesees
Infotafel Birnen Foto: OGV Gesees