Wir beraten und unterstützen Sie dabei, mehr Lebensräume für Pflanzen und Tiere im Garten zu schaffen. Stöbern Sie hier nach Gärtnerlust.
Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

VielfaltsMacher

Die Dachenten von Margetshöchheim

Wir wussten es ja schon immer: Vielfalt zahlt sich auch auf kleinstem Raum aus…

„Nehm‘ ich“, dachte sich die Stockente, als sie diese zauberhafte, romantische kleine Dachterrasse von Christina Haas und ihrer 8-jährigen Tochter Hannah entdeckte. Erdbeeren, Salat, Schnittlauch, Ringelblumen, Kapuzinerkresse und jede Menge Kräuter wachsen dort überall in Töpfen und Kästen. Und das auf ganz wenigen Quadratmetern über den Dächern von Margetshöchheim bei Würzburg. Offenbar hat das der Ente so gut gefallen, dass sie beschlossen hat, genau hier ihr Nest zu bauen. Direkt auf der Balkonbrüstung unter einem Dachvorsprung. Ganz nah bei Hannah und Christina.

Kinderstube auf dem Dachbalkon

Die Ente, sie heißt übrigens Emma, weiß ein so liebevolles und gemütliches Outdoor-Paradies sehr zu schätzen. Sie ist Stammgast, schon drei Jahre hintereinander hat sie hier ihre Eier gelegt und ausgebrütet. So ein Mini-Vielfaltsparadies scheint in Entenkreisen begehrt zu sein, denn im Frühling 2020 hat gleichzeitig Ente Nummer zwei bei Hannah und Christina eingecheckt. Emma wollte dieses Jahr mal in die Sonne und hat ihr Nest neben dem Grasbüschel im Balkonkasten gebaut. Der Platz unter dem schattigen Dachvorsprung war also frei für den nächsten Gast – Elsa.

Die Alternative zum Schilf

Enten legen ihre Eier nicht einfach irgendwo hin. Normalerweise brüten sie in der Nähe von Gewässern zwischen Schilf oder Sträuchern. Wenn sie nichts Passendes finden, schauen sie sich auch mal auf Balkons oder Dachgärten um. In jedem Fall testen sie die Lage erst einmal und legen ein Probeei. Nach ein paar Tagen kommen sie zurück und schauen nach: Ist das Ei noch ganz – Ok. Wenn nicht, suchen sie sich was Neues. Hannahs und Christinas Höhen-Zaubergärtchen ist mit den Blumen- und Kräuterkästen, den Heidelbeersträuchern, dem Salat, dem Lavendel und all den Ecken und Nischen, aus denen es herausgrünt und blümt, scheinbar genau richtig für Emma und neuerdings auch für ihre Freundin. 12 Eier hat Emma in diesem Frühjahr gelegt und ausgebrütet, wie viele es wohl bei Entendame Elsa werden?

Die Vielfalt kommt im Flug

Eine besondere Pflanzenauswahl oder ein ausgeklügelt entenfreundliches Grünkonzept gibt es auf dem Dachgärtchen nicht. Hier wächst, was aufgeht und was gefällt, ganz unkompliziert. Viele Kräuter sind da, Salate, Tomaten, aber auch einiges, was einfach anfliegt und dann schön blüht. Vielfalt im Vorbeifliegen sozusagen. „Es ergibt sich, wenn man sich darauf einlässt“, sagt Christina Haas. Das gefällt nicht nur Enten, sondern auch Insekten, die hier regelmäßig vorbeischauen.

Menü für Enten

Die Ente bleibt draußen, das ist bei Hannah und Christina klar. Schließlich sind Stockenten keine Haus- sondern Wildtiere. Christina hat Emma deshalb auch verziehen, dass sie den ganzen Lavendel abgezupft und ihr Nest aus allerfeinsten Daunen damit ausgepolstert hat. Auch Enten mögen es anscheinend gerne wohlduftend. Ein bisschen Unterstützung bekommen die Entenmütter aber von Hannah. Die ist schon Expertin in der Entenversorgung und hat sogar ein eigenes Kochbuch mit den Speisevorlieben der Enten geschrieben. „Karotten- und Kartoffelschalen sind Emmas Leibspeise“ erklärt sie. Dazu mischt sie ein paar Haferflocken, „wegen der Kohlehydrate“, sagt Hannah, „aber wirklich nur ein paar einzelne, das dürfen nicht zu viele werden“, das ist ihr ganz wichtig. Alles andere, also kleine Muscheln, Frösche, Larven, Kaulquappen und was sie sonst noch brauchen, holen sich Emma und Elsa selber, der Main ist schließlich gleich nebenan.

Raus aus dem Nest

Fast schon schwindelerregend dramatisch wird es, wenn die Entenküken nach rund 28 Tagen geschlüpft sind. Als Nestflüchter geht es ruckzuck raus aus dem gemütlichen Nest und ab an den Main. Auch vom dritten Stock aus. Die Kleinen stürzen sich begleitet von ihrer Mutter mutig in die Tiefe, und diejenigen, die es nicht über die Balkonbrüstung schaffen, tragen Hannah und Christina in einem Eimer nach unten zu ihren Geschwistern. Ab dann müssen sie wieder alleine klarkommen. Auf dem kleinen, vielfältig bunten Dachgärtchen von Hannah und Christina blüht und grünt und duftet es dann weiter. Vielleicht macht die ein oder andere Ente der Umgebung schon mal einen Besichtigungsflug. Vielfaltsgärten sind einfach anziehend.

 

Unser Tipp: Wer mehr über die Enten auf der Dachterrasse erfahren möchte, findet das Enten-Tagebuch von Christina Haas auf der Seite des BR.

 

 

 

 

Christina und Hannah Haas
"Die Vielfalt ergibt sich, wenn man sich darauf einlässt"